5 Fehler in der Raufutterversorgung beim Pferd
Fehler 1: Raufutter wird nur nach Menge beurteilt
Eine der häufigsten Annahmen lautet: „Solange mein Pferd genug Heu bekommt, ist alles in Ordnung.“
Doch Raufutter ist mehr als eine Zahl auf der Waage. Die reine Menge sagt wenig darüber aus, wie ein Pferd frisst und wie gut es das Futter verwerten kann.
Entscheidend sind unter anderem:
- die Verteilung über den Tag
- die Fressgeschwindigkeit
- die Qualität und Struktur des Heus
- die Dauer der Kautätigkeit
- individuelle Bedürfnisse des Pferdes
Ein Pferd kann rechnerisch „ausreichend“ Raufutter bekommen und trotzdem Verdauungsprobleme, Unruhe oder Gewichtsveränderungen zeigen.
Raufutterversorgung beginnt nicht bei der Menge, sondern bei der Beobachtung.
Fehler 2: Die Qualität wird unterschätzt
Nicht jedes Heu wirkt gleich, auch wenn es optisch in Ordnung erscheint. Geruch, Struktur, Schnittzeitpunkt und Lagerung haben einen großen Einfluss darauf, wie gut ein Pferd das Raufutter verwerten kann.
Typische Anzeichen, dass die Qualität nicht optimal passt, können sein:
- stumpfes Fell
- vermehrte Kotwasser-Probleme
- mangelnde Gewichtsstabilität
- geringe Fressmotivation oder selektives Fressen
Dabei geht es nicht darum, „perfektes“ Heu zu finden. Sondern darum, realistisch einzuschätzen, was das vorhandene Raufutter leisten kann, und wo es an Grenzen stößt.
Fehler 3: Raufutter wird isoliert betrachtet
Raufutter ist die Basis, aber es steht nicht für sich allein. Haltung, Bewegung, Fressumgebung und Stressfaktoren beeinflussen maßgeblich, wie ein Pferd sein Raufutter nutzt.
Ein gutes Heu kann seine Wirkung verlieren, wenn:
• das Pferd unter Fressdruck steht
• Fresspausen zu lang oder zu unruhig sind
• wenig Bewegung im Alltag stattfindet
• Stress den Verdauungstrakt belastet
Naturnahe Raufutterversorgung bedeutet deshalb nicht nur: Was wird gefüttert, sondern auch unter welchen Bedingungen.
Fehler 4: Warnsignale werden zu spät ernst genommen
Viele Veränderungen entstehen schleichend.
Ein wenig Kotwasser, ein leicht stumpferes Fell oder kleine Gewichtsschwankungen werden oft als „vorübergehend“ abgetan. Dabei sind genau das die Momente, in denen sich ein Blick auf die Raufutterversorgung lohnt. Nicht jedes Symptom bedeutet sofort ein Problem, aber jedes Symptom ist eine Rückmeldung des Körpers. Je früher diese Signale wahrgenommen werden, desto einfacher lassen sich Anpassungen vornehmen, ohne in extreme Maßnahmen oder ständiges Ausprobieren zu geraten.
Fehler 5: Raufutter soll alles allein leisten
Raufutter ist die Grundlage, aber nicht automatisch die komplette Lösung. Je nach Lebensphase, Belastung und individuellem Stoffwechsel kann es Situationen geben, in denen Ergänzungen sinnvoll oder notwendig sind. Das bedeutet nicht, dass „zu wenig Heu“ gefüttert wird. Sondern dass der Bedarf des Pferdes über das hinausgeht, was das Raufutter allein abdecken kann. Wichtig ist hier nicht das schnelle Hinzufügen von Produkten, sondern eine ehrliche Einschätzung:
- Was leistet das Raufutter?
- Was braucht mein Pferd zusätzlich?
- Und was vielleicht auch nicht?
Fazit: Raufutter bewusst betrachten statt selbstverständlich hinnehmen
Die meisten Fehler in der Raufutterversorgung entstehen nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus Gewohnheit. Raufutter läuft oft „nebenbei“, obwohl es den größten Einfluss auf die Gesundheit des Pferdes hat.
Wer bereit ist, genauer hinzuschauen, legt den wichtigsten Grundstein für eine stabile, gesunderhaltende Fütterung, ruhig, individuell und ohne Dogmen.
Wie es weitergeht
Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest, findest du hier:
• eine Übersicht zur Raufutterversorgung beim Pferd
• eine Checkliste zur Einschätzung deiner aktuellen Raufutterpraxis
• sowie den Einstieg in eine
strukturierte, ganzheitliche Fütterung










