Kraftfutter beim Pferd – sinnvoll ergänzen statt automatisch füttern

Jennifer Reupke • 14. März 2026
Wenn wir über Pferdefütterung sprechen, denken viele zuerst an Kraftfutter.
Welche Mischung ist die richtige? Wie viel braucht mein Pferd? Und welches Futter sorgt für mehr Energie?

Dabei wird ein entscheidender Punkt oft übersehen:
Kraftfutter ist keine Grundlage der Pferdefütterung, sondern immer nur eine Ergänzung.

Die Basis bildet, und bleibt, das Grundfutter.

Ein Pferd ist biologisch ein Dauerfresser. Sein Verdauungssystem ist darauf ausgelegt, über viele Stunden am Tag strukturreiche Pflanzen aufzunehmen. Hochwertiges Heu liefert dabei einen Großteil der benötigten Energie, Rohfaser und Nährstoffe. Doch je nach Lebenssituation kann es sinnvoll sein, die Fütterung gezielt zu ergänzen.

Wenn du dir unsicher bist, ob dein Pferd bereits ausreichend über das Grundfutter versorgt ist, kannst du das ganz einfach mit meiner Grundfutter-Checkliste überprüfen.
Sie hilft dir, die Raufutterversorgung deines Pferdes Schritt für Schritt zu analysieren.

Wann Kraftfutter wirklich sinnvoll ist

Nicht jedes Pferd braucht Kraftfutter. Viele Freizeitpferde können mit hochwertigem Heu und einer passenden Mineralversorgung bereits sehr gut versorgt sein.


Es gibt jedoch Situationen, in denen zusätzliche Energie oder bestimmte Nährstoffe sinnvoll sein können, zum Beispiel:

  • bei höherer Arbeitsbelastung oder regelmäßigem Training
  • bei älteren Pferden mit erhöhtem Bedarf
  • bei schwerfuttrigen Pferden, die trotz ausreichend Heu Gewicht verlieren
  • beim Muskelaufbau im Training
  • während Rekonvaleszenz oder intensiver Wachstumsphasen


In solchen Fällen kann Kraftfutter helfen, den Energie- und Nährstoffbedarf gezielt zu decken. Wichtig ist dabei jedoch ein entscheidender Grundsatz: Kraftfutter sollte unterstützen, nicht kompensieren. Wenn Haltung, Grundfutterqualität oder Trainingsstruktur nicht passen, kann kein Kraftfutter diese Probleme dauerhaft lösen.


Deshalb beginnt für mich jede Analyse immer zuerst bei den Grundlagen. Wenn du wissen möchtest, wie artgerecht dein Pferd wirklich lebt, kannst du das mit meiner Checkliste zur Pferdehaltung ganz ehrlich überprüfen.

Naturnah füttern bedeutet bewusst entscheiden

In der naturnahen Pferdefütterung geht es nicht darum, möglichst viele Futtermittel einzusetzen. Es geht darum, das Verdauungssystem des Pferdes zu verstehen und die Fütterung darauf auszurichten.


Das bedeutet:

  • strukturreiche Rohfaser als Basis
  • möglichst natürliche Futtermittel
  • Anpassung an Arbeit, Alter und Stoffwechsel
  • keine Fütterung nach Schema F


Auch Getreide wie Hafer oder Gerste kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein, etwa bei Pferden mit höherem Energiebedarf. Gleichzeitig ist Getreide sehr energiereich und nicht für jedes Pferd geeignet. Gerade leichtfuttrige Pferde, Ponys oder stoffwechselempfindliche Pferde profitieren häufig von stärkeärmeren Alternativen, die Energie liefern, ohne den Stoffwechsel unnötig zu belasten.

Kraftfutter bewusst auswählen

In meiner täglichen Arbeit orientiere ich mich bei der Auswahl von Kraftfutter immer an drei Fragen:


  1. Was braucht dieses Pferd wirklich?
  2. Welche Energiequelle passt zum Stoffwechsel dieses Pferdes?
  3. Wie naturnah und verträglich ist das Futtermittel?


Dabei bevorzuge ich Futtermittel, die möglichst nah an der natürlichen Ernährung des Pferdes bleiben und gleichzeitig eine sinnvolle Ergänzung zum Grundfutter darstellen.


Welche Futtermittel sich dafür besonders eignen und wie ich sie in der Praxis einsetze, zeige ich dir im nächsten Artikel.

Dort stelle ich dir drei Kraftfutter vor, mit denen ich in meiner täglichen Fütterung arbeite – natürlich, strukturreich und bewusst ausgewählt.

Fazit

Kraftfutter ist kein Muss, aber es kann eine sinnvolle Unterstützung sein. Entscheidend ist nicht, ob ein Pferd Kraftfutter bekommt, sondern warum. Eine gesunde Pferdefütterung beginnt immer mit der Basis:


  • artgerechte Haltung
  • ausreichend hochwertiges Grundfutter
  • eine passende Mineralversorgung


Erst wenn diese Grundlage stimmt, macht es Sinn, über ergänzendes Kraftfutter nachzudenken.

Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest, findest du hier weitere Inhalte:



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