Grundfutter beim Pferd, die unterschätzte Basis für echte Gesundheit
Was bedeutet Grundfutter eigentlich wirklich?
Grundfutter, oder auch Raufutter, umfasst vor allem:
- Heu
- Heulage
- Stroh (eingeschränkt)
- frisches Gras
Es bildet die natürliche Ernährungsgrundlage des Pferdes. Denn das Pferd ist von Natur aus ein Dauerfresser, dessen gesamtes Verdauungssystem auf strukturreiche, faserhaltige Nahrung ausgelegt ist. Der Magen produziert rund um die Uhr Magensäure. Der Darm ist auf kontinuierliche Rohfaserzufuhr angewiesen. Der Stoffwechsel arbeitet im Rhythmus langsamer Energiegewinnung. Das ist kein Detailwissen. Das ist Biologie.
Naturnah füttern heißt: Vom Pferd aus denken
In meiner täglichen Arbeit stelle ich mir bei der Fütterung immer zuerst eine Frage: Wie würde dieses Pferd unter natürlichen Bedingungen fressen? Nicht im Sinne von „romantischer Wildnis“. Sondern funktional. Ein Pferd würde:
- viele Stunden am Tag fressen
- kleine Mengen aufnehmen
- strukturreiche Pflanzen fressen
- sich dabei kontinuierlich bewegen
Naturnahe Fütterung bedeutet deshalb nicht „so wenig wie möglich füttern“. Sie bedeutet, dem Verdauungssystem gerecht zu werden. Und das beginnt bei ausreichend hochwertigem Grundfutter.
Die häufigsten Fehler in der Grundfutterversorgung
In vielen Betrieben sehe ich immer wieder ähnliche Probleme:
1. Zu wenig Menge
Pferde bekommen Heu rationiert, um Gewicht zu kontrollieren. Doch eine dauerhafte Unterversorgung führt zu Stress, Magenproblemen und Stoffwechselbelastung.
2. Zu große Fresspausen
Fresspausen von 6–8 Stunden sind keine Seltenheit. Für den Pferdemagen bedeutet das Dauerbelastung.
3. Falsche Qualität
Staubiges, überständiges oder hygienisch problematisches Heu schadet langfristig, auch wenn es auf den ersten Blick „trocken und normal“ aussieht.
4. Energie-Fehlbewertung
Nicht jedes Heu ist gleich. Struktur, Schnittzeitpunkt, Zuckergehalt und Rohfaseranteil spielen eine entscheidende Rolle.
Warum Grundfutter wichtiger ist als jedes Zusatzfutter
Viele Probleme, die später mit Spezialprodukten „repariert“ werden sollen, entstehen ursprünglich durch eine nicht passende Grundversorgung. Beispiele:
- Magengeschwüre
- Kotwasser
- Leistungsabfall
- Übergewicht trotz wenig Kraftfutter
- Muskelabbau
- Stoffwechselprobleme
Bevor ich also an Ergänzungen denke, schaue ich mir immer zuerst die Basis an:
Menge – Qualität – Struktur – Fresszeiten
Erst wenn diese vier Faktoren stimmen, ergibt alles Weitere Sinn.
Meine Fütterungsphilosophie: Stabilität vor Optimierung
Ich arbeite nicht nach Trends. Nicht nach „neuestem Hype-Futter“. Sondern nach einem klaren Prinzip:
Erst eine stabile, strukturreiche Grundversorgung. Dann individuelle Anpassung. Das bedeutet konkret:
- ausreichend Raufutter zur freien Verfügung oder in möglichst kleinen Intervallen
- angepasste Energie je nach Pferdetyp
- regelmäßige Qualitätskontrolle
- Beobachtung von Körperzustand und Leistungsfähigkeit
- kein blindes Zufüttern ohne System
Für mich ist Fütterung kein starres Schema, sondern ein Prozess.
Grundfutter und Trainingszustand gehören zusammen
Gerade im Training sehe ich häufig einen entscheidenden Zusammenhang:
Ein Pferd kann nur Muskulatur aufbauen, wenn die Basis stimmt. Ohne ausreichende Rohfaserzufuhr fehlt dem Körper die Grundlage für Stoffwechselstabilität. Deshalb betrachte ich Fütterung nie isoliert. Sondern immer im Zusammenspiel mit:
- Haltung
- Bewegung
- Trainingsplanung
- Regenerationsphasen
Gesunderhaltendes Training beginnt nicht im Sattel. Es beginnt im Futtertrog.
Fazit: Zurück zur Basis
Grundfutter ist kein Nebenthema. Es ist die Grundlage für:
- Gesundheit
- Leistungsfähigkeit
- mentale Ausgeglichenheit
- Stoffwechselstabilität
Wenn du also etwas in deiner Fütterung verändern möchtest, beginne nicht mit Zusatzprodukten. Beginne bei der Basis. Bei der Qualität. Bei der Menge. Bei der Struktur. Denn oft liegt die Lösung nicht im Mehr, sondern im Richtigen.









