Maggi, Wenn Vertrauen Zeit braucht
Ich war noch sehr jung, als ich hierher kam
Seit ich ungefähr sechs Monate alt bin, lebe ich hier. Damals hatte ich schon Dinge erlebt, die ein junges Pferd eigentlich nicht erleben sollte. Ein Halfter, das viel zu eng war. Dauerhaft getragen. Scheuerstellen auf der Nase. Beulen im Genick.
Für ein Fohlen bedeutet so etwas vor allem eins:
Druck.
Und wenn Pferde lernen, dass Druck weh tut, dann entwickeln sie manchmal Strategien. Meine Strategie war: nach vorne gehen. Nicht aus Bosheit. Sondern aus Angst.
Ich bin neugierig, aber auch skeptisch
Ich beobachte alles. Neue Dinge. Neue Geräusche. Neue Situationen. Ich bin eigentlich sehr neugierig. Aber Berührungen durch Menschen fallen mir nicht immer leicht. Manchmal geht es gut. Manchmal gar nicht. Und manchmal weiß ich selbst nicht genau, was heute möglich ist. Wenn ich mich unsicher fühle und keinen Ausweg sehe, dann kann es passieren, dass ich nicht ausweiche. Dann gehe ich nach vorne. Mit Zähnen. Oder mit Steigen. Nicht, weil ich böse bin. Sondern weil ich gelernt habe, mich so zu schützen.
Darum dürfen nicht einfach fremde Menschen zu mir
Zu mir kommen nicht einfach fremde Menschen in den Paddock. Das ist eine wichtige Regel. Denn wenn jemand meine Körpersprache nicht versteht oder sich falsch verhält, kann es gefährlich werden. Nicht, weil ich ein aggressives Pferd bin. Sondern weil ich Angst sehr ernst nehme. Und wenn ich Angst habe, reagiere ich schneller als ich nachdenken kann.
Mein Zuhause: Offenstall mit Trail
Ich lebe im Offenstall mit Trail. Und ich teile mir mein Zuhause mit Motte. Motte ist meine beste Freundin. Eigentlich noch mehr als das. Sie ist mein Anker. Wenn ich unsicher bin, schaue ich zu ihr. Wenn ich mich entspanne, steht sie meistens irgendwo in meiner Nähe. Manchmal reicht es schon, wenn sie einfach da ist.
In der Herde weiß ich, wo mein Platz ist
Ich bin nicht ganz oben in der Rangordnung. Aber auch nicht ganz unten. Ältere erfahrene Pferde respektiere ich. Bei gleichaltrigen Pferden… naja…
Sagen wir so:
Beim Futter weiß ich ziemlich genau, was ich möchte.
Training? Noch nicht wirklich
Bis jetzt bin ich komplett roh. Kein Reiten. Kein klassisches Training. Nicht, weil man es vergessen hätte. Sondern weil ich einfach noch nicht bereit war. Pferde mit schwierigen Erfahrungen brauchen Zeit. Und Vertrauen lässt sich nicht erzwingen.
Jetzt beginnt langsam mein Weg
Inzwischen hat sich viel verändert. Ich bin ruhiger geworden. Entspannter. Ich beobachte mehr, statt sofort zu reagieren. Und jetzt beginnt für mich langsam etwas Neues.
Bodenarbeit.
Ganz in Ruhe.
Ohne Druck.
Ohne Eile.
Es geht nicht darum, wie schnell ich etwas lerne. Sondern darum, dass ich Vertrauen entwickeln darf.
Vielleicht werde ich irgendwann ein Reitpferd
Vielleicht werde ich irgendwann ein Reitpferd. Vielleicht sogar ein gutes. Vielleicht werde ich ein zuverlässiger Freizeitpartner. Oder ein fein ausgebildetes Westernpferd. Oder vielleicht zeigt sich mein Weg erst im Laufe der Zeit. Das ist im Moment gar nicht das Wichtigste.
Das Wichtigste ist: Dass ich lernen darf, dass Menschen auch ruhig, fair und verständlich sein können.
Manche Pferde brauchen einfach etwas länger
Viele Pferde werden schnell als „Problempferd“ abgestempelt. Aber oft steckt dahinter etwas ganz anderes. Angst. Unsicherheit. Oder schlechte Erfahrungen.
Ich bin kein Problempferd. Ich bin einfach ein Pferd, das Zeit braucht. Und genau diese Zeit bekomme ich hier.
Maggi – Docs Magic Rose
Paint Horse Stute | Baujahr 2017
Temperamentvoll.
Skeptisch.
Neugierig.
Und auf dem Weg, Vertrauen neu zu lernen.
Eure Maggi









