Getreide beim Pferd Ja oder nein – und wenn ja, welches?
Warum die Frage oft falsch gestellt wird
Viele Pferdebesitzer starten beim Kraftfutter.
Welches Müsli?
Welcher Hafer?
Welche Mischung?
Dabei liegt der eigentliche Ansatz ganz woanders. Denn gesunde Pferdefütterung beginnt nicht im Kraftfutter. Sie beginnt bei der Basis.
Haltung
Grundfutter
Bewegung
Erst wenn diese drei Dinge stimmen, macht es überhaupt Sinn, über Getreide nachzudenken.
Denn Futter sollte immer eines tun:
unterstützen – nicht kompensieren.
Was Getreide im Pferdekörper überhaupt macht
Getreide ist vor allem eines:
eine schnelle Energiequelle.
Das bedeutet:
- viel Stärke
- schnell verfügbare Energie
- relativ wenig Struktur
Für den Körper kann das sinnvoll sein, oder belastend. Denn das Pferd ist von Natur aus kein „Stärkeverwerter“. Sein Verdauungssystem ist auf Rohfaser und langsame Energie ausgelegt.
- Viele kleine Portionen
- strukturreiche Pflanzen
- kontinuierliche Aufnahme
Das ist Biologie, kein Trend.
Wann Getreide sinnvoll sein kann
Es gibt Situationen, in denen Getreide absolut seine Berechtigung hat.
Zum Beispiel:
- Pferde im regelmäßigen Training
- schwerfuttrige Pferde
- Pferde im Muskelaufbau
- ältere Pferde mit erhöhtem Bedarf
- Pferde, die trotz gutem Heu Gewicht verlieren
In diesen Fällen kann Getreide helfen, gezielt Energie zu ergänzen, ohne große Futtermengen zu füttern.
Wichtig:
Nicht als Standardlösung, sondern als bewusste Entscheidung.
Wann Getreide eher nicht sinnvoll ist
Und jetzt der Punkt, der im Alltag oft übersehen wird:
Viele Pferde brauchen kein Getreide.
Gerade im Freizeitbereich sind viele Pferde:
- leichtfuttrig
- wenig bis moderat gearbeitet
- stoffwechselempfindlich
Hier kann Getreide schnell mehr schaden als helfen.
Typische Folgen:
- Übergewicht
- Unruhe / „zu viel Energie“
- Stoffwechselprobleme
- erhöhtes Risiko für Hufrehe oder EMS
Gerade bei Ponys oder leichtfuttrigen Pferden gilt oft:
Weniger ist mehr.
Oder besser gesagt:
Das Richtige ist mehr.
Ein Beispiel aus der Praxis
Vielleicht kennst du genau solche Pferde. Ein Pony, das „eigentlich gar nicht viel bekommt“, und trotzdem zu dick ist.
Oder ein Pferd, das empfindlich auf Futter reagiert, unruhig wird oder gesundheitliche Probleme entwickelt.
Das sind oft keine Zufälle. Sondern Hinweise darauf, dass der Stoffwechsel überfordert ist.
Genau das sieht man zum Beispiel bei Pferden mit Rehe-Vorgeschichte oder Ekzem:
Der Körper braucht keine Energieexplosionen, sondern
Stabilität und Konstanz.
Wenn Getreide – dann welches?
Wenn du zu dem Punkt kommst, dass dein Pferd Getreide sinnvoll nutzen kann, stellt sich die nächste Frage:
Welches Getreide passt?
Hafer
- leicht verdaulich
- schnell verfügbare Energie
- gut geeignet für empfindliche Pferde
Ideal bei:
- Training
- schneller Energiebedarf
- sensibler Verdauung
Gerste
- energiereicher
- langsamer verfügbar
- schwerer verdaulich (muss aufgeschlossen werden)
Ideal bei:
- schwerfuttrigen Pferden
- Gewichtszunahme
- Substanzaufbau
Auch hier gilt:
Nicht besser oder schlechter. Sondern:
passend oder unpassend.
Der häufigste Fehler im Alltag
Der größte Fehler ist nicht „falsches Getreide“.
Der größte Fehler ist:
Getreide als Standard zu sehen.
„Das bekommt er halt dazu.“
„Das haben wir schon immer so gemacht.“
Dabei sollte jede Fütterung eine Antwort auf eine Frage sein:
Was braucht mein Pferd wirklich?
Und nicht:
Was ist üblich?
Mein Ansatz in der Fütterung
Ich arbeite nicht mit festen Plänen. Und nicht mit „jedes Pferd braucht…“
Sondern mit einem klaren Prinzip:
So wenig wie möglich, so viel wie nötig.
Das bedeutet:
- Grundfutter optimieren
- Haltung und Bewegung prüfen
- Stoffwechsel verstehen
- Erst dann gezielt ergänzen
Und oft zeigt sich dabei:
Das Pferd braucht gar kein Getreide.
Oder:
Es braucht etwas ganz anderes.
Fazit: Getreide ist kein Muss – sondern eine Option
Getreide ist weder gut noch schlecht. Es ist ein Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug kann es sinnvoll sein, oder fehl am Platz.
Ein Pferd wird nicht gesünder durch mehr Futter.
Sondern durch das richtige System.
Denn echte Pferdegesundheit entsteht nicht durch ein Produkt.
Sondern durch das Zusammenspiel aus:
- Haltung
- Grundfutter
- Bewegung
- Training
- und bewussten Entscheidungen
Und genau dort liegt der Unterschied.
Für dich zum Mitnehmen
Wenn du dir unsicher bist, stell dir diese drei Fragen:
- Braucht mein Pferd wirklich mehr Energie, oder mehr Struktur?
- Ist mein Pferd leichtfuttrig oder schwerfuttrig?
- Unterstützt das Futter, oder gleicht es Probleme aus?
Wenn du diese Fragen ehrlich beantwortest, bist du oft schon einen großen Schritt weiter.
Tipp:
Ich habe zu diesem Thema eine einfache Checkliste erstellt, mit der du genau einschätzen kannst:
- ob dein Pferd Getreide braucht
- und wenn ja, welches passt
Diese findest du hier:










