Zusätze, Kräuter & Co. beim Pferd Sinnvolle Unterstützung – oder unnötige Belastung?

Jennifer Reupke • 2. April 2026
Wenn man beginnt, sich intensiver mit Pferdefütterung zu beschäftigen, kommt früher oder später dieser Punkt:

Kräuter.
Zusätze.
Kuren.

Und plötzlich gibt es für alles eine Lösung.

Für den Stoffwechsel.
Für die Leber.
Für die Verdauung.
Für die Atemwege.

Doch genau hier wird es schwierig. Denn:
Nicht alles, was sinnvoll klingt, ist auch sinnvoll für dein Pferd.

Der größte Denkfehler: „Natürlich = immer gut“

Gerade in der naturnahen Fütterung entsteht schnell diese Annahme:

Kräuter sind natürlich, also können sie nicht schaden

Doch das stimmt so nicht. Denn:


  • Kräuter wirken
  • sie greifen in den Stoffwechsel ein
  • und sie können den Körper auch belasten


Genau wie Mineralstoffe oder Medikamente, nur oft unterschätzt

Wann Zusätze wirklich sinnvoll sind

Zusätze und Kräuter haben absolut ihre Berechtigung. Aber nicht dauerhaft. Und nicht pauschal.


Sondern:

Situationsabhängig


Zum Beispiel bei:


  • Fellwechsel
  • erhöhtem Stress
  • Stoffwechselbelastung
  • Rekonvaleszenz
  • gezielter Unterstützung einzelner Systeme (z. B. Atemwege, Verdauung)


Hier können Kräuter gezielt unterstützen, ohne den Körper zu überfordern.

Warum ich mit Kuren statt Dauerfütterung arbeite

Ein Punkt, der mir besonders wichtig ist:

Ich arbeite bewusst mit zeitlich begrenzten Kuren


Warum? Weil der Körper deines Pferdes nicht darauf ausgelegt ist, dauerhaft stimuliert zu werden.


Beispiel:

  • dauerhaft leberanregende Kräuter
    → können langfristig eher belasten als helfen
  • dauerhaft entwässernde Kräuter
    → können Mineralstoffhaushalt beeinflussen


Deshalb gilt:

Reiz setzen – Wirkung nutzen – Pause lassen

Mein Ansatz in der Praxis

Ich setze Kräuter und Zusätze gezielt ein:


  • angepasst an Jahreszeit
  • angepasst an das einzelne Pferd
  • angepasst an aktuelle Belastung


Und ganz wichtig:

Nicht parallel wahllos kombiniert


Denn auch hier gilt:

Mehr ist nicht besser.

Kräuter sind keine Ersatzlösung

Ein häufiger Fehler:

Probleme entstehen → Kräuter werden gefüttert


Doch oft liegt die Ursache ganz woanders:


  • Haltung
  • Grundfutter
  • Mineralstoffversorgung


Kräuter können unterstützen, aber sie sollten nichts „reparieren müssen“.

Typische Fehler im Alltag

Was ich häufig sehe:


1. Dauerhafte Kräuterfütterung
ohne Pause oder Ziel


2. Zu viele Produkte gleichzeitig
→ unklar, was überhaupt wirkt


3. Einsatz ohne echten Bedarf
→ „vorsorglich“ wird schnell zur Gewohnheit


4. Kombination mit unpassender Basis
→ Grundproblem bleibt bestehen

Wann du genauer hinschauen solltest

Bevor du etwas ergänzt, stell dir diese Fragen:


  • Was ist die Ursache?
  • Unterstütze ich, oder kompensiere ich?
  • Passt die Basis überhaupt?


Oft liegt die Lösung nicht im Zusatz, sondern im System dahinter.

Meine Empfehlung für dich

Wenn du mit Kräutern und Zusätzen arbeiten möchtest:


  • arbeite gezielt
  • arbeite zeitlich begrenzt
  • arbeite bewusst


Und vor allem:

  • beobachte dein Pferd


Denn kein Produkt ersetzt deinen Blick.

Fazit

Kräuter und Zusätze können eine wertvolle Unterstützung sein.


Aber:

  • nur dann, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden


Nicht dauerhaft. Nicht wahllos. Nicht als Standardlösung.


Sondern:

  • als gezieltes Werkzeug innerhalb eines Systems


Denn:

Gesunde Pferde entstehen nicht durch mehr Produkte. Sondern durch die richtigen Entscheidungen.

Im nächsten Schritt zeige ich dir:


  • wie du Kräuter und Mineralisierung sinnvoll kombinierst
  • und worauf du bei der Auswahl wirklich achten solltest
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