Warum die richtigen Daten die Basis jeder Pferdefütterung sind

Jennifer Reupke • 27. Dezember 2025

Die richtigen Daten sammeln

Natürliche und naturnahe Pferdefütterung beginnt nicht mit einem bestimmten Futtermittel, einer Marke oder einer Tabelle. Sie beginnt mit dem Pferd selbst.

In der Praxis sehe ich immer wieder, dass Fütterung entweder sehr pauschal oder rein nach Gefühl vorgenommen wird. Beides kann funktionieren, muss es aber nicht. Denn ohne ein klares Bild vom Pferd bleibt jede Fütterung letztlich eine Annahme.

Fütterung ohne Daten bleibt ein Ratespiel

Viele Pferde werden gut gemeint gefüttert. Heu ist vorhanden, ein Mineralfutter wird ergänzt, vielleicht kommen je nach Saison noch weitere Produkte hinzu.


Trotzdem zeigen sich Probleme wie:

  • Gewichtsveränderungen
  • fehlende Muskulatur
  • Stoffwechselthemen
  • Leistungsabfall oder Unruhe


Oft liegt die Ursache nicht im einzelnen Futtermittel, sondern darin, dass das Pferd als Ausgangspunkt nicht ausreichend betrachtet wurde. Naturnahe Fütterung bedeutet nicht, möglichst wenig zu füttern oder alles selbst zu mischen. Sie bedeutet, bewusst zu entscheiden, und dafür braucht es Informationen.

Welche Daten wirklich wichtig sind

Im Futterkompass beginnt die Fütterungsarbeit deshalb mit der Sammlung grundlegender Daten.


Dazu gehören unter anderem:

  • Alter und Rasse
  • Stockmaß
  • Geschlecht
  • Haltung und Bewegungsmöglichkeiten
  • Ziel des Fütterungsmanagements


Diese Angaben verändern sich selten, beeinflussen aber maßgeblich:

  • den Energiebedarf
  • die Futterverwertung
  • den sinnvollen Rahmen einer Ration


Sie helfen dabei, ein Pferd realistisch einzuordnen und nicht mit Durchschnittswerten zu vergleichen, die am Ende wenig aussagen.

Warum diese Daten allein noch nicht ausreichen

So wichtig diese allgemeinen Angaben sind, sie zeigen nur einen Teil des Gesamtbildes.

Denn zwei Pferde mit gleichem Stockmaß, ähnlichem Gewicht und identischer Haltung können sich dennoch deutlich unterscheiden.


Genau hier kommen weitere Daten ins Spiel, zum Beispiel:

  • der Body Condition Score (BCS)
  • sichtbare und tastbare Fett- und Muskelverteilung
  • Veränderungen im Jahresverlauf


Der BCS hilft dabei, den aktuellen Ernährungszustand unabhängig vom Gewicht zu beurteilen. Er zeigt, ob ein Pferd gut versorgt ist, Reserven aufbaut oder bereits aus dem Gleichgewicht gerät. Erst die Kombination aus Grunddaten und Körperzustand ermöglicht eine wirklich individuelle Einschätzung der Fütterung.

Daten schaffen Klarheit, nicht Kontrolle

Ein häufiger Einwand gegen Datenerfassung lautet: „Ich kenne mein Pferd doch.“ Und ja, das ist ein wichtiger Punkt. Beobachtung und Erfahrung sind durch nichts zu ersetzen.


Doch strukturierte Daten ergänzen dieses Gefühl. Sie helfen dabei:

  • Veränderungen frühzeitig zu erkennen
  • Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen
  • Fütterung gezielt anzupassen, statt ständig zu wechseln


Im Futterkompass sind diese Schritte bewusst einfach gehalten. Es geht nicht um Bürokratie, sondern um Orientierung.

Naturnahe Fütterung braucht ein Gesamtbild

Fütterung ist immer Teil eines größeren Zusammenhangs. Haltung, Bewegung, Stoffwechsel, Jahreszeit und individuelle Voraussetzungen greifen ineinander. Wer nur einzelne Aspekte betrachtet, verliert schnell den Überblick.


Deshalb setzt der Futterkompass auf ein klares System:

  • Pferd erfassen
  • Körperzustand beurteilen
  • Fütterung darauf aufbauen und regelmäßig überprüfen


So entsteht keine starre Ration, sondern ein flexibler, naturnaher Ansatz, der sich am Pferd orientiert, nicht an Trends.

Fazit

Die Sammlung von Daten ist kein Selbstzweck. Sie ist der erste Schritt zu einer bewussten, verantwortungsvollen Pferdefütterung. Wer sein Pferd kennt, kann gezielt füttern. Wer Veränderungen dokumentiert, kann rechtzeitig reagieren. Und wer Zusammenhänge versteht, trifft bessere Entscheidungen, für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Pferdes.

Der Futterkompass beginnt genau hier: beim Pferd, nicht beim Futter.

von Jennifer Reupke 13. März 2026
Der Winter ist vorbei. Der Schnee taut. Die Pferde kommen wieder auf die Wiesen, bzw. an das Gras, welches vom Schnee bedeckt gewesen ist. Und plötzlich passiert etwas, das viele Pferdebesitzer irritiert: Die Pferde fressen kaum noch Heu. Der Heuballen liegt fast unangetastet da, während die Pferde scheinbar den ganzen Tag auf der Wiese stehen. Gleichzeitig verändern sich oft noch andere Dinge: - der Bauch wird schlanker - die Hungergrube wird sichtbar - es liegen deutlich weniger Äppel auf der Weide und dem Paddock - der Kot ist fester und kompakter Und schnell kommt die Frage auf: Bekommen meine Pferde überhaupt noch genug Futter? Die gute Nachricht vorweg: In vielen Fällen ist dieses Verhalten völlig normal und lässt sich sehr logisch erklären. Schauen wir uns einmal an, was im Körper und im Verhalten der Pferde gerade passiert.
von Jennifer Reupke 7. März 2026
Hochwertiges, strukturreiches Heu ist das Fundament jeder gesunden Pferdefütterung. Es liefert Rohfaser, Energie, Eiweiß und regt durch langes Kauen die Verdauung und den Speichelfluss an. Doch selbst bestes Heu kann nicht alle Nährstoffe in ausreichender Menge abdecken, die ein Pferd täglich benötigt, besonders Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine sind stark abhängig von Boden, Schnittzeitpunkt und Lagerung.
von Jennifer Reupke 7. März 2026
Bei uns gibt es verschiedene auf dem Trail verteilte Futterplätze. Dies bietet gleich mehrere Vorteile:
von Jennifer Reupke 6. März 2026
Die Geschichte einer skeptischen Paint Horse Stute. Hallo. Ich bin Docs Magic Rose. Aber eigentlich nennt mich hier jeder einfach Maggi. Geboren wurde ich am 20. April 2017. Mein Papa ist der Paint Horse Hengst Docs Magic Big Step. Mit ungefähr 150 cm Stockmaß gehöre ich zu den größeren Pferden hier auf der Ranch. Und ich bin… sagen wir mal… kein ganz einfaches Pferd. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur ein Pferd, das gelernt hat, vorsichtig zu sein.
von Jennifer Reupke 5. März 2026
Jungpferdetraining mit Struktur, Geduld und einem klaren Ziel. „Ich bin nicht faul. Ich bin ein Haflinger mit Plan.“ Hallo, ich bin Motte. Baujahr 2017. Kräftiger Haflinger-Typ. Ca. 150 cm geballte Substanz, mit Herz. Seit ich sechs Monate alt bin, gehöre ich zu Jenny. Ich bin also kein „Zufallsprojekt“, sondern von Anfang an begleitet. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, bin ich heute noch roh. Nicht angeritten. Nicht „fertig gemacht“. Nicht frühzeitig in ein System gedrückt. Ich bin am Anfang meiner Ausbildung. Und genau darum geht es hier.
von Jennifer Reupke 5. März 2026
und warum sie oft unbemerkt bleiben. Raufutter gilt als die Grundlage jeder Pferdefütterung. Das ist richtig und gleichzeitig der Grund, warum hier besonders viele Fehler entstehen. Denn Raufutter wird oft als „gegeben“ betrachtet: Heu ist da, das Pferd frisst, also passt es schon. In der Praxis zeigen sich jedoch immer wieder Probleme, die nicht durch offensichtlichen Futtermangel entstehen, sondern durch eine nicht optimal angepasste Raufutterversorgung. Dabei geht es selten um grobe Versäumnisse. Viel häufiger sind es kleine Stellschrauben, die langfristig einen großen Einfluss auf Verdauung, Stoffwechsel und Wohlbefinden haben.
von Jennifer Reupke 1. März 2026
Immer wieder werde ich gefragt, warum ich auf unserem Hof keine Heulage oder Silage füttere. Und ob das nicht „genauso gut“ oder sogar staubärmer und moderner sei. Meine Antwort ist klar, und sie hat nichts mit Trends zu tun, sondern mit dem Verdauungssystem des Pferdes.
von Jennifer Reupke 1. März 2026
Wenn wir über Pferdefütterung sprechen, denken viele zuerst an Kraftfutter, Mineralfutter oder Zusatzprodukte. Doch die Wahrheit ist einfacher, und gleichzeitig anspruchsvoller: Gesunde Pferdefütterung beginnt beim Grundfutter. Nicht als Beilage. Nicht als „Füllstoff“. Sondern als tragende Säule. Und genau hier liegt in vielen Ställen das größte Missverständnis.
von Jennifer Reupke 28. Februar 2026
Ein Erfahrungsbericht über Equines Asthma, Arthrose und warum Bewegung Leben bedeutet. Hallo. Ich bin Lilly. Geboren am 21.04.2000. Deutsches Reitpony. 127 cm, und damit deutlich größer als meine 99-cm Freundin Melody. Seit über 16 Jahren gehöre ich zu Jenny. Und ich bin nicht das nervenstarke „alles egal“-Pony. Ich bin sensibel. Personenbezogen. Ehrgeizig in der Arbeit. Und manchmal fahre ich schneller hoch, als man denkt. Aber ich bin auch der Beweis dafür, dass Diagnosen kein Endpunkt sein müssen.
von Jennifer Reupke 26. Februar 2026
Hallo. Ich bin Melody. Geboren am 12.06.2002. Deutsches Partbred Shetlandpony. Frech, schlau, sensibel, und ja, ein kleines bisschen dominant. Aber vor allem bin ich eines: leichtfuttrig. Und wenn du dich mit Pferdegesundheit beschäftigst, weißt du vermutlich, was das bedeutet.
Mehr anzeigen...