5 Fehler in der Raufutterversorgung beim Pferd

Jennifer Reupke • 5. März 2026
und warum sie oft unbemerkt bleiben.

Raufutter gilt als die Grundlage jeder Pferdefütterung. Das ist richtig und gleichzeitig der Grund, warum hier besonders viele Fehler entstehen. Denn Raufutter wird oft als „gegeben“ betrachtet: Heu ist da, das Pferd frisst, also passt es schon.

In der Praxis zeigen sich jedoch immer wieder Probleme, die nicht durch offensichtlichen Futtermangel entstehen, sondern durch eine nicht optimal angepasste Raufutterversorgung. Dabei geht es selten um grobe Versäumnisse. Viel häufiger sind es kleine Stellschrauben, die langfristig einen großen Einfluss auf Verdauung, Stoffwechsel und Wohlbefinden haben.

Fehler 1: Raufutter wird nur nach Menge beurteilt

Eine der häufigsten Annahmen lautet: „Solange mein Pferd genug Heu bekommt, ist alles in Ordnung.“

Doch Raufutter ist mehr als eine Zahl auf der Waage. Die reine Menge sagt wenig darüber aus, wie ein Pferd frisst und wie gut es das Futter verwerten kann.


Entscheidend sind unter anderem:

  • die Verteilung über den Tag
  • die Fressgeschwindigkeit
  • die Qualität und Struktur des Heus
  • die Dauer der Kautätigkeit
  • individuelle Bedürfnisse des Pferdes


Ein Pferd kann rechnerisch „ausreichend“ Raufutter bekommen und trotzdem Verdauungsprobleme, Unruhe oder Gewichtsveränderungen zeigen.


Raufutterversorgung beginnt nicht bei der Menge, sondern bei der Beobachtung.

Fehler 2: Die Qualität wird unterschätzt

Nicht jedes Heu wirkt gleich, auch wenn es optisch in Ordnung erscheint. Geruch, Struktur, Schnittzeitpunkt und Lagerung haben einen großen Einfluss darauf, wie gut ein Pferd das Raufutter verwerten kann.


Typische Anzeichen, dass die Qualität nicht optimal passt, können sein:

  • stumpfes Fell
  • vermehrte Kotwasser-Probleme
  • mangelnde Gewichtsstabilität
  • geringe Fressmotivation oder selektives Fressen


Dabei geht es nicht darum, „perfektes“ Heu zu finden. Sondern darum, realistisch einzuschätzen, was das vorhandene Raufutter leisten kann, und wo es an Grenzen stößt.

Fehler 3: Raufutter wird isoliert betrachtet

Raufutter ist die Basis, aber es steht nicht für sich allein. Haltung, Bewegung, Fressumgebung und Stressfaktoren beeinflussen maßgeblich, wie ein Pferd sein Raufutter nutzt.


Ein gutes Heu kann seine Wirkung verlieren, wenn:

 • das Pferd unter Fressdruck steht

 • Fresspausen zu lang oder zu unruhig sind

 • wenig Bewegung im Alltag stattfindet

 • Stress den Verdauungstrakt belastet


Naturnahe Raufutterversorgung bedeutet deshalb nicht nur: Was wird gefüttert, sondern auch unter welchen Bedingungen.

Fehler 4: Warnsignale werden zu spät ernst genommen

Viele Veränderungen entstehen schleichend. Ein wenig Kotwasser, ein leicht stumpferes Fell oder kleine Gewichtsschwankungen werden oft als „vorübergehend“ abgetan. Dabei sind genau das die Momente, in denen sich ein Blick auf die Raufutterversorgung lohnt. Nicht jedes Symptom bedeutet sofort ein Problem, aber jedes Symptom ist eine Rückmeldung des Körpers. Je früher diese Signale wahrgenommen werden, desto einfacher lassen sich Anpassungen vornehmen, ohne in extreme Maßnahmen oder ständiges Ausprobieren zu geraten.

Fehler 5: Raufutter soll alles allein leisten

Raufutter ist die Grundlage, aber nicht automatisch die komplette Lösung. Je nach Lebensphase, Belastung und individuellem Stoffwechsel kann es Situationen geben, in denen Ergänzungen sinnvoll oder notwendig sind. Das bedeutet nicht, dass „zu wenig Heu“ gefüttert wird. Sondern dass der Bedarf des Pferdes über das hinausgeht, was das Raufutter allein abdecken kann. Wichtig ist hier nicht das schnelle Hinzufügen von Produkten, sondern eine ehrliche Einschätzung:

  • Was leistet das Raufutter?
  • Was braucht mein Pferd zusätzlich?
  • Und was vielleicht auch nicht?

Fazit: Raufutter bewusst betrachten statt selbstverständlich hinnehmen

Die meisten Fehler in der Raufutterversorgung entstehen nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus Gewohnheit. Raufutter läuft oft „nebenbei“, obwohl es den größten Einfluss auf die Gesundheit des Pferdes hat.

Wer bereit ist, genauer hinzuschauen, legt den wichtigsten Grundstein für eine stabile, gesunderhaltende Fütterung, ruhig, individuell und ohne Dogmen.

von Jennifer Reupke 5. März 2026
Jungpferdetraining mit Struktur, Geduld und einem klaren Ziel. „Ich bin nicht faul. Ich bin ein Haflinger mit Plan.“ Hallo, ich bin Motte. Baujahr 2017. Kräftiger Haflinger-Typ. Ca. 150 cm geballte Substanz, mit Herz. Seit ich sechs Monate alt bin, gehöre ich zu Jenny. Ich bin also kein „Zufallsprojekt“, sondern von Anfang an begleitet. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, bin ich heute noch roh. Nicht angeritten. Nicht „fertig gemacht“. Nicht frühzeitig in ein System gedrückt. Ich bin am Anfang meiner Ausbildung. Und genau darum geht es hier.
von Jennifer Reupke 1. März 2026
Immer wieder werde ich gefragt, warum ich auf unserem Hof keine Heulage oder Silage füttere. Und ob das nicht „genauso gut“ oder sogar staubärmer und moderner sei. Meine Antwort ist klar, und sie hat nichts mit Trends zu tun, sondern mit dem Verdauungssystem des Pferdes.
von Jennifer Reupke 1. März 2026
Wenn wir über Pferdefütterung sprechen, denken viele zuerst an Kraftfutter, Mineralfutter oder Zusatzprodukte. Doch die Wahrheit ist einfacher, und gleichzeitig anspruchsvoller: Gesunde Pferdefütterung beginnt beim Grundfutter. Nicht als Beilage. Nicht als „Füllstoff“. Sondern als tragende Säule. Und genau hier liegt in vielen Ställen das größte Missverständnis.
von Jennifer Reupke 28. Februar 2026
Ein Erfahrungsbericht über Equines Asthma, Arthrose und warum Bewegung Leben bedeutet. Hallo. Ich bin Lilly. Geboren am 21.04.2000. Deutsches Reitpony. 127 cm, und damit deutlich größer als meine 99-cm Freundin Melody. Seit über 16 Jahren gehöre ich zu Jenny. Und ich bin nicht das nervenstarke „alles egal“-Pony. Ich bin sensibel. Personenbezogen. Ehrgeizig in der Arbeit. Und manchmal fahre ich schneller hoch, als man denkt. Aber ich bin auch der Beweis dafür, dass Diagnosen kein Endpunkt sein müssen.
von Jennifer Reupke 26. Februar 2026
Hallo. Ich bin Melody. Geboren am 12.06.2002. Deutsches Partbred Shetlandpony. Frech, schlau, sensibel, und ja, ein kleines bisschen dominant. Aber vor allem bin ich eines: leichtfuttrig. Und wenn du dich mit Pferdegesundheit beschäftigst, weißt du vermutlich, was das bedeutet.
von Jennifer Reupke 26. Februar 2026
Wie ein Pferd lebt, entscheidet über alles, was danach kommt. Über Gesundheit. Über Verhalten. Über Trainingsfähigkeit. Und letztlich auch über die Beziehung zwischen dir und deinem Pferd. Trotzdem wird Haltung im Alltag oft zur Nebensache. Training wird geplant. Futter wird optimiert. Ausrüstung wird angepasst. Doch der Lebensraum, der Ort, an dem dein Pferd die meiste Zeit seines Tages verbringt, bleibt häufig unhinterfragt. Dabei beginnt genau hier alles.
Artgerechte Pferdehaltung & naturnahe Fütterung, warum beides untrennbar zusammengehört
von Jennifer Reupke 23. Februar 2026
Artgerechte Pferdehaltung beginnt nicht beim Futter. Erfahre, warum Haltung, Fütterung & Alltagsstruktur die Basis für gesunde Pferde sind, verständlich & praxisnah.
Alles begann mit einem Pferd
von Jennifer Reupke 21. Februar 2026
Mein erstes eigenes Pferd brachte mich zum Umdenken. Dinge wie Haltung, Fütterung & Training anders betrachten, genauer hinsehen & besser zuhören.
von Jennifer Reupke 5. Januar 2026
Eine ausgewogene, natürliche und naturnahe Pferdefütterung beginnt nicht beim Futter, sondern beim Pferd selbst. Einer der wichtigsten, und gleichzeitig am häufigsten unterschätzten, Faktoren ist dabei das tatsächliche Körpergewicht. Viele Pferdebesitzer verlassen sich im Alltag auf Schätzungen. Das ist verständlich, denn eine Pferdewaage steht nur selten zur Verfügung. Doch genau hier liegt ein großes Risiko: Schätzungen weichen oft deutlich vom realen Gewicht ab, nach oben wie nach unten. Diese Abweichungen wirken sich unmittelbar auf die Fütterung aus.
von Jennifer Reupke 27. Dezember 2025
Die richtigen Daten sammeln
Mehr anzeigen...