Lebenraum & Haltung - Wie artgerecht lebt dein Pferd wirklich?

Jennifer Reupke • 26. Februar 2026
Wie ein Pferd lebt, entscheidet über alles, was danach kommt.

Über Gesundheit.
Über Verhalten.
Über Trainingsfähigkeit.
Und letztlich auch über die Beziehung zwischen dir und deinem Pferd.

Trotzdem wird Haltung im Alltag oft zur Nebensache. Training wird geplant. Futter wird optimiert. Ausrüstung wird angepasst.
Doch der Lebensraum, der Ort, an dem dein Pferd die meiste Zeit seines Tages verbringt, bleibt häufig unhinterfragt.

Dabei beginnt genau hier alles.

Artgerechte Pferdehaltung, mehr als Offenstall oder Box

Artgerechte Haltung ist kein Trend und kein reines Stallkonzept. Sie ist ein Zusammenspiel aus:


  • Sozialkontakt
  • freier Bewegung
  • kontinuierlichem Zugang zu Raufutter
  • Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten
  • klaren Routinen im Alltag


Ein Pferd ist ein Herdentier. Ein Lauftier. Ein Dauerfresser oder auch Dauerfuttersucher. Wenn einer dieser Bausteine dauerhaft fehlt, entstehen Spannungen, körperlich wie mental. Nicht jede Haltung kann perfekt sein.

Aber jede Haltung kann bewusster gestaltet werden.

Sozialkontakt, mehr als nur „nicht allein stehen“

Direkter Körperkontakt, stabile Herdenstrukturen und ausreichend Platz zum Ausweichen sind essenziell.

Ein Pferd, das zwar „mit anderen zusammensteht“, aber permanent unter Stress steht, lebt nicht automatisch artgerecht.

Frage dich ehrlich: Kann dein Pferd sich in seiner Herde entspannen?

Bewegung, freiwillig, nicht nur unter dem Reiter

Viele Pferde bewegen sich hauptsächlich dann, wenn wir es von ihnen verlangen. Doch echte Gesunderhaltung entsteht durch selbstbestimmte Bewegung:


  • freies Antraben
  • Angaloppieren
  • Spielen
  • soziale Interaktion


Bewegung ersetzt kein Training, aber Training kann fehlende, freie Bewegung in der Haltung nicht kompensieren.

Raufutter & Fresspausen, unterschätzter Schlüssel zur Gesundheit

Der Magen eines Pferdes produziert kontinuierlich Magensäure. Lange Fresspausen bedeuten Stress für den Organismus.

Optimal ist ein nahezu durchgängiger Zugang zu Raufutter. Ist das nicht möglich, sollten Fresspausen möglichst kurz gehalten und Futterplätze so gestaltet sein, dass stressfreies Fressen möglich ist. Nicht nur die Menge zählt. Auch die Ruhe beim Fressen.

Ruhe & Routinen, die unsichtbare Grundlage

Ein ausgeglichener Alltag entsteht nicht zufällig. Trockene, windgeschützte Stallbereiche, ausreichend Platz zum Ablegen und feste Abläufe im Tagesrhythmus geben Sicherheit. Pferde brauchen Struktur. Und sie brauchen Orte, an denen sie wirklich abschalten können.

Haltung ist Verantwortung, nicht Perfektion

Ich bin überzeugt: Ein Pferd ist keine Freizeitbeschäftigung, sondern ein Lebenspartner, für dessen Wohlbefinden wir Verantwortung tragen. Das bedeutet nicht, dass jede Haltung perfekt sein muss. Aber sie sollte bewusst gewählt und regelmäßig überprüft werden. Und genau hier beginnt ehrliche Selbstreflexion.

Wie artgerecht lebt dein Pferd wirklich?

Viele Dinge fühlen sich „eigentlich ganz gut“ an, bis man sie strukturiert betrachtet.

Deshalb habe ich eine ausführliche Checkliste entwickelt, mit der du:


  • Sozialkontakt & Herdenstruktur prüfen kannst
  • Bewegung & Platzangebot ehrlich bewertest
  • Raufutter- und Fresssituation reflektierst
  • Ruhe & Stallbereiche einschätzt
  • und am Ende eine klare Auswertung erhältst


Mit einem einfachen Ampelsystem bekommst du einen realistischen Überblick über den Ist-Zustand der Haltung deines Pferdes. Nicht, um Schuld zuzuweisen. Sondern um Bewusstsein zu schaffen.


Hier geht's zur Checkliste

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